
Elektrofahrzeuge sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie rollen leise durch die Städte, versprechen eine saubere Zukunft und tragen ihren Teil zur Energiewende bei. Doch bei aller Begeisterung für die neue Technologie gibt es eine Schattenseite, über die kaum jemand gern spricht: Brände in Tiefgaragen und Parkhäusern.
Während Verbrennerfahrzeuge seit Jahrzehnten in Brandschutzkonzepten berücksichtigt sind, sprengen moderne Elektroautos mit ihrer deutlich höheren Brandlast diese vertrauten Annahmen. Das Problem: Die meisten Tiefgaragen wurden gebaut, lange bevor E-Autos überhaupt Thema waren – und sie sind schlicht nicht auf diese neuen Risiken vorbereitet.
Ein brennendes Auto ist immer eine Gefahr. Doch beim Elektroauto sieht die Situation dramatischer aus. Während ein Verbrenner in der Regel vergleichsweise rasch gelöscht werden kann, entwickelt ein E-Auto-Brand enorme Temperaturen, die über Stunden anhalten können. Die Ursache liegt im Herzstück der Fahrzeuge – der Batterie.
Was viele nicht wissen: Die Brandlast einer Lithium-Ionen-Batterie entspricht nicht einfach der elektrischen Speicherkapazität, die im Prospekt angegeben ist. Vielmehr setzen die chemischen Reaktionen im Brandfall ein Vielfaches an Energie frei. Studien zeigen, dass die freigesetzte Wärme acht- bis zehnmal höher liegt als die gespeicherte elektrische Energie. Mit anderen Worten: Aus einem Akku mit 100 kWh wird im Brandfall eine Wärmequelle von fast 1.000 kWh – und das zusätzlich zum brennenden Fahrzeug selbst. Zum Vergleich, ein 60 l Tank eines Verbrenners hat eine Brandlast von ca. 600 kWh.
Für Tiefgaragen und Parkhäuser bedeutet das: Schon ein einziges Elektrofahrzeug kann Temperaturen erzeugen, die Beton und Stahl an ihre Grenzen bringen und Fluchtwege in kürzester Zeit unpassierbar machen.
Bei Merkle CAE Solutions haben wir in den letzten Jahren rund fünfzig Tiefgaragen virtuell „in Brand gesetzt“. Schon eine überschlägige Betrachtung zeigt: Wenige der bestehenden Tiefgaragen wären die Belastungen eines brennenden Elektrofahrzeugs ausgelegt.
Die bestehenden baurechtlichen Vorgaben (z. B. Muster-Garagenverordnung in Deutschland) orientieren sich noch immer an klassischen Verbrennerfahrzeugen. Darin ist typischerweise ein „Bemessungsbrand“ mit einer bestimmten Wärmefreisetzungsrate definiert – dieser basiert aber auf dem Verhalten von Benzin- und Diesel-PKW.
Mit unseren numerischen Brandsimulationen - gemäß dem Leitfaden Ingenieurmethoden des Brandschutzes - lässt sich im Detail nachvollziehen, wie sich Rauch, Hitze und Sichtweiten entwickeln, welche Kräfte auf die Tragstruktur wirken und wann die Feuerwehr noch eingreifen kann – oder eben nicht mehr. So wird aus einer abstrakten Gefahr ein konkretes Bild: Wir sehen, wo der Rauch zuerst aufzieht, welche Bereiche unpassierbar werden und welche Bauteile am meisten leiden.
Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache:
Besonders tückisch: Während beim Verbrenner nach kurzer Zeit Entwarnung gegeben werden kann, lodert das Feuer im Elektroauto immer wieder auf – oft bis zu dem Punkt, an dem das Löschwasser selbst kaum noch ausreicht.
Die Elektromobilität schreitet unaufhaltsam voran. Doch es wäre fahrlässig, die Infrastruktur von gestern mit den Risiken von morgen allein zu lassen. Tiefgaragen müssen dringend nachgerüstet werden.
Dazu gehören neue Brandschutzkonzepte, die speziell auf Elektrofahrzeuge ausgelegt sind: leistungsfähigere Entrauchungssysteme, bessere Materialschutzauskleidung, Sprinkleranlagen mit ausreichender Wasserversorgung und klare Einsatzpläne für die Feuerwehr. Ebenso wichtig sind Simulationen in der Planungsphase, die Risiken frühzeitig sichtbar machen, sowie Schulungen für Einsatzkräfte, die auf die besonderen Gefahren von Batteriebränden vorbereitet werden müssen.
Elektrofahrzeuge sind gekommen, um zu bleiben. Aber wir dürfen nicht so tun, als wäre ein E-Auto-Brand dasselbe wie ein Verbrennerbrand. Die Brandlast ist um den Faktor 1,5-2 höher, die Dauer deutlich länger und die Belastung für Menschen und Bauwerke erheblich größer.
Die gute Nachricht: Mit modernen Brandsimulationen lässt sich das Problem in den Griff bekommen. Wir können im Voraus berechnen, wo die Schwachstellen liegen, wie man sie behebt – und welche Maßnahmen im Ernstfall Leben retten.
👉 Wollen Sie wissen, wie Ihre Tiefgarage im Ernstfall standhält? Wir simulieren es für Sie – und liefern die Grundlage für sichere Entscheidungen.
Ihr Stefan Merkle

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